Supergrass-Artikel
Wieder unwiderstehlich
Die erste Feuerprobe haben Supergrass hinter sich: Im Rahmen einiger Festival-Auftritte hinterließen die Songs ihres neuen Albums Life On Other Planets (VÖ: 30.09.) einen guten Eindruck.
Oh, da sehe ich aber noch jung und frisch aus. Guck dir das an, Danny! Supergrass-Sänger Gaz Coombes hält Schlagzeuger Danny Goffey die VISIONS-Ausgabe mit der Titelstory zum letzten Album unter die Nase. Der lacht. Was ist bloß aus dir geworden» Jetzt bist du ein müder, alter Sack. Das stimmt natürlich nicht. Ganz im Gegenteil: Dafür, dass Supergrass nun auch schon seit acht Jahren im RocknRoll-Geschäft unterwegs sind, gerade den vierten Longplayer aufgenommen haben und zwischendurch immer wieder fleißig um die Welt getourt sind, wirken sie sogar noch absolut unverbraucht. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ihnen der ganz große Erfolg, den einige ihrer englischen Kollegen wie Blur, Oasis und Pulp auf dem Höhepunkt der Britpop-Welle einfuhren, bis heute versagt blieb. Auch das selbstbetitelte letzte Album blieb trotz hervorragender Kritiken und erheblichem Promo-Aufwand in kommerzieller Hinsicht unter den Erwartungen. Was für Supergrass aber glücklichweise kein Grund ist, in Frustration zu verfallen. In gewisser Hinsicht hat das sogar seine Vorteile, meint Danny. Weil wir eben nie eine Band waren, die Millionen verkauft hat, konnten wir immer genau so arbeiten, wie wir es mögen: Ohne Druck, ohne Zwänge, ohne Rücksicht auf übersteigerte Erwartungen der Plattenfirma und der Fans. Und so entstand auch Life On Other Planets unter entspannten Bedingungen: Für Phase eins der Arbeit zog sich die Band für einige Wochen in eine südfranzösische Villa zurück. Dort wurde das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden, sprich: mit viel Wein und gutem Essen genossen Supergrass das Leben in vollen Zügen, während sie nebenbei Ideen sammelten und locker am Songwriting arbeiteten. Besonders viel Stress hätten sie sich in dieser Zeit nicht gerade angetan, versichert die Band, wohingegen Phase zwei, der Aufnahme-Prozess, dann schon etwas mehr Disziplin erforderte. Mit Hilfe des kalifornischen Produzenten Tony Hoffer nahmen Supergrass in Sussex und Wales auf; Zeit genug, um die Möglichkeiten des dort vorhandenen Equipments von Studio-Besitzer Chris Gifford (Ex-Squeeze) auszuloten, blieb aber natürlich trotzdem. Es gab insgesamt keine Probleme und wir hatten eine Menge Spaß, fasst Gaz die Entstehung der Platte zusammen. Und nichts könnte diese Aussage besser bestätigen als das Album selber: Denn Life On Other Planets ist ein im besten Sinne typisches Supergrass-Album geworden, und zwar sowohl was die Vielfalt angeht neben krachig verzerrten Uptempo-Songs und komplexer arrangierten Balladen gibt es diesmal auch Glam-Anleihen und sogar Ska-Rhythmen als auch die unwiderstehlichen Melodien und die natürliche Beschwingtheit, die bereits alle vorherigen Alben auszeichneten. Während Supergrass eine Weile brauchte, um sich im Gehörgang festzusetzen, kommt Life On Other Planets außerdem wieder etwas unmittelbarer auf den Punkt vieles, wie zum Beispiel die erste Single Grace kann man bereits beim zweiten Durchlauf mitsummen. Ob der Abnutzungseffekt dementsprechend größer ist, wird man natürlich erst in einigen Monaten feststellen können; da Supergrass uns bis heute aber schon so manchen zeitlos guten Song beschert haben, darf man eigentlich nur das Beste hoffen.
© Visions, Erscheinungsdatum: 9/2002